
Die Rolle der Religion im Orden
Der Orden ist per definitionem eine christliche Organisation und es ist eine Vorbedingung, dass man Christ sein muß, um Mitglied werden zu können. Abgesehen davon werden Religionsausübung und Glauben als persönliche Angelegenheit betrachtet. Der Orden auferlegt seinen Mitgliedern keine besonderen religiösen Handlungen jenseits des Gebotes, ein Christ zu sein.
Das Christentum ist die grundlegende und bewegende Kraft des Ordens, die Wurzel, aus der seine Ethik und Wohltätigkeit erwächst. Christi Gebot "Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, sollt ebenso auch ihr ihnen tun", ist das Herzstück der Ordensarbeit. So wie ein wahrer Christ eine Neigung zum Mitleid mit den Schwachen, Unglücklichen und Leidenden hat, so findet dieses Mitleid im Orden als Ganzes seinen Ausdruck.
Auch die Ritterlichkeit wird als Ausdruck wahren Christentums gesehen wegen der Ideale und der Ethik, die es in sich trägt. Wahre christliche Ritterschaft ist eine spirituelle, die im einzelnen Ritter ein inneres Streben in Gang setzt, seine Schwachheit und Furcht zu überwinden, so dass seine Integrität außer Frage steht und er über Stärke und Mut verfügt, wie sie nur auf der Säule wahren Wissens beruhen.
Ökumene
Gegründet zu einer Zeit, als der römische Katholizismus aus den alten Kirchen des Mittleren Ostens entstand, war der Orden ein römisch-katholischer bis um 1600, also bis einige Zeit nach der lutheranischen Reformation. Seitdem begann der Orden sowohl lutheranische wie anglikanische Ritter aufzunehmen. 1798, als der Orden nach Russland verlegt worden war, in ein orthodoxes Land, und mit der Errichtung der beiden Großpriorate, eines römisch-katholisch und eines orthodox, wurde der Orden de facto ökumenisch. Mit der Ausdehnung des Ordens in Länder mit unterschiedlichen herrschenden christlichen Konfessionen musste man anerkennen, dass das Christentum mannigfaltiger geworden war.
Statt nun auszuschließen und Christen von Christen zu trennen, ging der Orden mit der Zeit und wurde umfassend und einigend. Heute akzeptiert der Orden Mitglieder aus allen größeren christlichen Konfessionen eingeschlossen römische Katholiken, russische Orthodoxe, griechische Orthodoxe, Lutheraner, Anglikaner, Aramäer, Maroniten und Kopten. Der Orden akzeptiert jedoch keine Mitglieder von Sekten und sektiererischen Kommunitäten.
Dispute religiöser Fragen
Als überkonfessionelle Gemeinschaft beteiligt der Orden sich nicht an Debatten über religiöse Fragen. Diese gehören in den Bereich kompetenter Theologen und der Kirchen. Der Orden pflegt eine offene Toleranz und stellt die Meinung seiner Mitglieder zu solchen Themen nicht infrage. Ebensowenig gestattet der Orden solche Debatten zwischen seinen Mitgliedern oder bei seinen Zusammenkünften und Konventen.
Missionstätigkeit
Abgesehen von der Förderung christlicher ethischer Werte und Maßstäbe durch das beispielhafte Verhalten seiner Mitglieder und deren Arbeit, beteiligt sich der Orden nicht an irgendwelchen missionarischen Tätigkeiten. Der Orden betrachtet diese als allein den Kirchen aufgetragen.
