
Regeln für das Rittertum
Das Wort Rittertum geht aus dem Bild eines berittenen Kriegers hervor. Die wörtliche Bedeutung ist Reitkunst von lateinisch cabellarius, französisch chevalerie. Nach einem allgemeinen Wörterbuch verweist das Wort auf die mittelalterliche Institution der Ritterschaft, anfangs verstanden als Berittene, die ihrem König oder Feudalherren Gefolgschaft gelobten, schließlich in der Bedeutung von Adel. Traditionell idealisiert Ritterlichkeit Tapferkeit, Loyalität und Opfer.
Als Rittertum durch die Kirche angenommen wurde, wurde von einem Ritter auch erwartet, demütig und mitleidig zu sein und unter dem Einfluß der Aristokratie wurde ferner Höflichkeit von ihm erwartet, insbesondere gegenüber Damen. Höfische Minne wurde idealisiert, als Minnesänger im mittelalterlichen Europa reisten und dieses Ideal in Poesie und Abenteuerromane der Zeit einging.
Viele verschiedene Regeln sind für das Rittertum festgelegt worden.
Die meisten enthalten die folgenden acht Kernpunkte:
• Du sollst die Kirche verteidigen.
• Du sollst die Schwachen achten und dich bereiten, sie zu
verteidigen.
• Du sollst lieben das Land, in dem Du geboren bist.
• Du sollst nicht zurückschrecken vor dem Feind.
• Du sollst deinen Lehenspflichten ohne Bedenken nachkommen, so
sie nicht Gottes Gesetzen widersprechen.
• Du sollst nimmer lügen und halten dein gegebenes Wort.
• Du sollst großzügig sein und jedem freigiebig spenden.
• Du sollst überall und allezeit ein Verfechter des Rechts und des
Guten gegen Ungerechtigkeit und gegen das Böse sein.
Was ist ein Ritter des Ordens?
Die Ritterschaft des Ordens vom Hl. Johannes erwuchs aus dem Bedürfnis, den Pilgern nicht nur die Dienste eines Heimes zu bieten, sondern auch Schutz. Die ersten Ritter waren christliche Hospiz-Mönche, die sich dieser Aufgabe widmeten. Diese Mönche gelobten Treue zum christlichen Glauben und sie legten das Gelübde der Armut und Keuschheit ab.
Von den Rittern unserer Tage wird weiterhin erwartet, dass sie Christen sind, aber ein Gelübde der Armut und Keuschheit legen sie nicht mehr ab, auch ziehen sie nicht mehr in den Kampf mit angelegter Rüstung, um Lanze und Schwert zu handhaben. Jedoch halten unsere Ritter den Geist und die Werte aufrecht. Heutige Kampffelder sind teils spirituelle, teils humanitäre. Es ist unsere Überzeugung, dass ein wahrer christlicher Ritter einen spirituellen Kampf austragen muß, um den Egoismus und die dunklen Neigungen in sich zu überwinden. In dem Maße, in dem er diesen inneren Kampf gewinnt, erlangt er auch das nötige Mitgefühl, um den Bedürfnissen der Leidenden und Entbehrenden nachzukommen.
Bewaffnet mit Mildtätigkeit, vermag er den großen Kampf auf dem Felde menschlicher Wohltaten und Gerechtigkeit zu kämpfen.
Modernes Rittertum wird erlangt durch wahren Adel der Person. War Adel in früherer Zeit die Bezeichnung für die Aristokratie und Macht, die in Landeigentum und politischem Einfluß wurzelte, so ist es nun die Definition für Charakter und Selbstbestimmung. Wahre Leistung und Integrität gebieten eine Menge mehr Respekt und Bewunderung als adelige Herkunft in diesem 21. Jahrhundert.
Ein Ritter des Ordens ist heute idealerweise eine Person mit Selbstkontrolle, wachsam gegenüber den eigenen Fehlern und Schwächen, aber die Fehler anderer verzeihend. Eine Person, die anspruchslos denen Dienst leistet, die weniger gut daran sind, immer bereit, den Herren des Ordens zu dienen, wie Christus es uns gelehrt hat. Nachdem wir die Gleichheit von Mann und Frau völlig anerkennen, gilt dies gleichermaßen für eine Ordensdame.
Von Rittern und Ordensdamen
Der Orden achtet Männer und Frauen gleich. Infolgedessen haben ein Ritter und eine Ordensdame denselben Status. Wir anerkennen auch, dass sie unterschiedlicher Natur sind, einander ergänzend.
In alter Zeit gab es keine Damen im Orden. Sie trugen zur humanitären Arbeit als Helfer des Ordens bei, so wie auch viele Männer. Als Kämpfe nicht länger mehr mit dem Schwert ausgetragen wurden und die Ritter sich zunehmend aktiver den humanitären Werken zuwandten, begann der Orden, Damen aufzunehmen. Aus selbstverständlichen Gründen wurden sie nicht als Ritter, sondern als Ordensdamen aufgenommen.
Bei der Investitur von Rittern und Ordensdamen respektiert der Orden den Unterschied der Geschlechter. Damen erhalten daher nicht den Ritterschlag mit dem Schwert, sondern werden durch Handauflegen aufgenommen.
Das Schwert
Von den einst von Rittern geführten Waffen ist das Schwert die bezeichnendste, da es besondere Werte symbolisiert. Erstens symbolisiert es Tatkraft, weil ein Ritter durch die Gnade Gottes gerufen ist zu gerechtem Handeln für die Vertriebenen und Menschen in Not. Zweitens symbolisiert die Klinge die Fähigkeit und den Mut, Falschheit zu zerschlagen und die Wahrheit zu enthüllen. So ist es in den Händen eines christlichen Ritters auch das Flammenschwert, das für das Wort Gottes steht, und endlich hat das traditionelle Schwert die Form eines Kreuzes, wenn es mit der Spitze nach unten gehalten wird. So war es und ist es noch für den Ritter eine Mahnung an seinen Glauben an den auferstandenen Christus und sein Gebot zu Milde und Mitleid.
Die Berührung mit dem Schwert beim Empfang des Ritterschlages soll dem Ritter die Gnade des Herrn in seinem Bewußtsein weiter erwecken, auf daß er immer wachsam, mutig, ehrenhaft, barmherzig und loyal sei im Kampf gegen Ignoranz, Habgier, Grausamkeit, Krankheiten und alle Formen von Inhumanität. Es ist die heilige Pflicht eines Gnadenritters, kraftvoll einzustehen für jene, die nicht für sich selbst bestehen können, und gänzlich und allein durch die Gnade Gottes mag er dabei Erfolg haben.
Die ritterliche Höflichkeit gegenüber Frauen verbietet, jemals eine Frau mit einer blanken Waffe zu berühren; so etwas zu tun, ist eine Beleidigung der Frau. Diese klassische Idee wird noch immer beachtet und es hat ganz weitreichende Bezüge in unseren Tagen, in denen Frauen, Kinder und Alte öfter denn je Opfer von Gewalt und Waffen werden, wo immer Krieg tobt. Internationale Regeln für die Kriegführung in moderner Zeit, die eine ehrenhafte und barmherzige Behandlung von Frauen, Kindern und Alten fordern, haben ihre Vorgabe in den alten Regeln des Rittertums.