
Die Geschichte
Die Geschichte des Johanniterordens reicht fast ein Jahrtausend zurück. Sie zerfällt in ganz unterschiedliche Abschnitte, häufig getrennt durch dramatische Ereignisse. Das folgende ist ein kurzer Abriß der Ordensgeschichte, der nicht vorgibt, auch nur annähernd vollständig zu sein. Die Literatur über die Geschichte ist umfangreich, einige Autoren schreiben mit politischer Voreingenommenheit.
Die Anfänge (vor 1099)
Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. begannen die ersten Pilger nach Jerusalem zu reisen. Das war ein mühsames Unterfangen und auch ein gefährliches, viele kamen nicht an ihr Ziel. Gegen Ende des 8. Jahrhunderts, als der Strom der Pilger wichtiger geworden war, wurde die Schutzherrschaft Kaiser Karls des Großen über die heiligen Stätten anerkannt und es wurde ein lateinisches Hospiz in Jerusalem für die Unterbringung der Pilger gebaut.
Dieses wurde 1010 durch den Fatimiden Kalifen Hakim zerstört. Nach Ankunft des Bischofs Johannes von Amalfi um 1050 wurde es als Krankenhaus wieder aufgebaut, zwischen 1070 und 1073 fertiggestellt und dem Hl. Johannes dem Almosengeber geweiht. Händler aus Amalfi trugen wesentlich dazu bei und Benediktinermönche dienten armen und kranken Pilgern und pflegten sie.
Das Hospital wurde immer mehr ein Krankenhaus im modernen Sinne des Wortes und die Mönche begannen, sich selbst Brüder des Hl. Johannes zu nennen. Einige Jahre vor dem ersten Kreuzzug wurde es geleitet von Gérard Tonque, der den Orden des Hl. Johannes ca. 1090 gründete, so benannt nach dem Hospital. Ritter mit dem Ordenskreuz dienten schon damals in dem Hospital, wovon sich Spuren im Muristan-Viertel von Jerusalem finden lassen. Bei Beginn des ersten Kreuzzuges konnte es mit heutigen Krankenhäusern durchaus verglichen werden. Hochqualifizierte Mönche und Nonnen vom Hl. Johannes versahen ihre Aufgaben nach sehr hohem Standard, was Behandlung, Pflege und Hygiene betraf.
Der Sel. Gérard, Gründer des Ordens, erlebte diese großartige Entwicklung des Ordens nicht mehr. Er starb im Jahre 1118. Sein Nachfolger, der erste Meister des Ordens, Raymond de Puy, war ein großer Organisator, und er ist es, der für die Einteilung der Mitglieder nach Klassen und Graden verantwortlich ist, wie sie noch immer beachtet wird.